Kostendruck macht erfinderisch
Datum: 13.07.2009,
Thema: Outsourcing


Wer Dienstleistungen auslagert, schafft Frei­räume, kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und die eigene Innovationskraft stärken.

Die Unternehmen aller Branchen ver­­suchen mangels Absatzmarkt ihre Kosten zu drücken. Im Fi­nanz­­be­reich ist dieser Kostendruck, zusätzlich aus­gelöst durch die Banken- und Vertrau­ens­krise, besonders stark. Also müssen sich die Top-Manager etwas einfallen lassen, um ihre Kosten zu reduzieren und parallel das verloren gegangene Kunden­ver­trau­en wieder zurückzugewinnen. Insider räu­men an­gesichts des Kostendrucks IT-Out­sourcing einen wachsenden Markt ein. Der Auslagerung von Teilen der IT als Trä­ger der Prozesse kommen flexible Beliefe­rungs­modelle entgegen. Hinter Etiketten wie On-Demand, Cloud-Computing, SaaS (Soft­ware-as-a-Service) und Managed Ser­vices verbergen sich Dienstleistungs­kon­zepte, die sich am Bedarf der Kunden orientieren. Sie müssen nur das an IT-Ka­pa­zitäten respektive Softwareleistungen bezahlen, was sie an ihren Standorten abgerufen haben.

Besonders auf globaler Tribüne ist der Druck groß, über gezielte Hard-/Software-Auslagerungen Kosten einzusparen. Das ruft Anbieter auf den Plan, die ihre Kun­den aus der Wolke heraus mit SaaS, also Software als Dienstleistung basierend auf Internettechnologien, bedienen. Die An­bie­ter versprechen deutliche Kosten­sen­kun­gen über solche SaaS-Suites, dazu kei­ne Kapitalauslagen für Inhouse-Sys­teme im Bannkreis der drei Ap­pli­ka­tions­land­schaften. Das Ganze aus Anwen­der­sicht: Die Software-gestützten Geschäfts­prozes­se werden einfach in die Wolke ver­lagert. Dieses Belieferungsprinzip kommt in der Wirtschaftskrise, in der Unter­neh­men ihre Kosten kontrollieren und eigenen Mittel schonen, besonders gut an.

Für die flexible Belieferung muss vorgearbeitet werden. Das gilt für beide Sei­ten, im Unternehmen wie beim Dienst­leis­ter. „Wenn Server und Speicher virtualisiert werden, können ihre Kapazitäten dynamisch und kostensparend zugeordnet, zu­dem bedarfsgerecht verteilt werden“, erklärt Michael Ziegler, Teamleiter Vir­tu­ali­sie­rung und Sicherheit bei Ma­ter­na. Er misst besonders der Virtualisierung von Clients gegenüber klassischen PCs mehr Flexibilität und durch Automati­sierung hohe Ein­spa­rungen bei. Eine Studie des Fraunhofer In­stituts bestätigt seine Ein­schätzung: Da­nach können Unternehmen wie Dienst­leis­ter durch Client-Vir­tua­li­sie­rung ihre jährlichen Kosten je Arbeitsplatz von 2.400 Euro auf rund 1.700 Euro senken. Ziegler: „Eine virtuelle und damit Cloud-fähige Um­setzung senkt generell die Kos­ten und begünstigt eine dynamische Auf­stellung ge­genüber neuen Anforde­run­gen.“ Außerdem sei eine solche Architektur of­fen für künftige In- oder Outsourcing-Stra­tegien. Für die Probe aufs Kostenexempel im virtuellen Umfeld empfiehlt er, einen kompetenten Dienstleister zurate zu ziehen.

Oft wird die Entscheidung auf eine Misch­kultur zwischen eigener und ausgelagerter IT hinauslaufen. Beide Teile, die in- und aushäusigen, müssen harmonieren. Denn erstens sollte die IT insgesamt wirtschaftlich zusammenspielen. Zweitens kommt es in Zeiten durchgehender Ge­schäftsabläufe zu Überschneidungen von Kern- mit Randprozessen. Kenner der Sze­ne plädieren deshalb für professionelle Man­aged Testing Services. Denn eines sollte den Unternehmen keinesfalls passieren: dass hoch komplexe Software-Tests auf Kos­ten der Kernprozesse und des eigenen Geschäfts gehen. Das passiert, wenn langwierige Tests in Eigenregie zuviel an personellen Kapazitäten rauben und aufgrund unerkannter Software-Risiken zu geschäft­lichen Ausfällen führen. Mit Blick auf die geteilte IT-Verantwortung hat ein Ge­ne­ra­tionswechsel von aktivitäts­getriebenen hin zu ergebnisorientierten Testing-Mo­dellen stattgefunden. Mit der neuen Test-Generation werden die Be­lie­fe­rungs­mo­delle des IT-Outsourcings gleich mit bedient. Damit im hoch komplexen IT-Um­feld nichts schief geht, beziehen die Tes­ting-Services den gesamten Software-Le­bens­zyklus ein. Die eigene Or­ganisation wird dadurch flexibler und dy­namischer, die Software-Testkosten können um bis zu 30 Prozent reduziert werden.


FORDERUNGEN
„In den Debitoren eines Unternehmens stecken enorme Potenziale zur Optimierung des Working-Capital, was wiederum die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens verbessert“, so Siegward Tesch.
Die Software ist Dreh- und Angelpunkt des Unternehmensgeschäfts. Das sehen An­bieter, die so genanntes Inhouse Out­sourcing offerieren, genauso. Ein Beispiel: Der Anbieter setzt auf der IT-Infrastruktur im eigenen Haus mit seiner Call-Center-Software auf, um darüber stellvertretend für das Unternehmen diese Aktivitäten zu übernehmen. Neben dem kompletten Call-Center-Auftritt werden der Kundenservice und der technische Betrieb von den Ex­ternen gleich mit absolviert. Den An­bie­tern solcher Dienste zufolge schlagen die Kunden mit dieser Strategie vier Fliegen mit einer Klappe. Die Gefahr, dass externe Call-Center-Dienste durch die eigene komplexe IT-Infrastruktur ausgebremst wer­den, werde eliminiert. Die geschäftswichtigen Kundendaten blieben innerhalb des Unternehmensradius. Die Integration von IT-Infrastruktur, Software und Kunden­pro­zessen erreiche eine höhere Aus­füh­rungsqualität. Das Ergebnis: Das Unter­neh­men hält stets Kontakt zu den Kunden und zum laufenden Geschäft. Dafür arbeiteten die externen Teamleiter mit Er­gebnismitverantwortung mit der unternehmenseigenen Mannschaft Hand in Hand. Die Inhouse-Outsourcing-Lösung mit Fo­kus auf Call-Center findet zunehmend Zu­spruch, bei Banken und Versicherungen ebenso wie bei Energieversorgern und Tele­kommunikationsanbietern.

Ob selbst finanziert oder delegiert: In­vestitionen und Aufwände müssen in beiden Fällen bezahlt werden. Denn auch der IT-Outsourcer legt seine Investitionen auf die Kunden um. Wäre da nicht die Wirt­schaftskrise und Kreditklemme: Li­qui­di­täts­sicherung, z. B. durch ein professionelles Forderungsmanagement, wird dadurch für viele Unternehmen überlebenswichtig. For­derungen gegenüber den Kunden rechtzeitig einzutreiben, ohne Skon­ti aufs Spiel zu setzen: dafür gibt es mittlerweile Portale. Die von Zahlungs­pro­ble­men betroffenen Unternehmen können darüber einfach und schnell ihre In­kas­so­aufträge erteilen. Verlangt wird von den meisten Anbietern weder eine Mit­glied­schaft noch ein Jah­res­beitrag. Die Kosten für die Inkasso-Maß­nahmen werden stattdessen den Schuld­nern in Rechnung gestellt. Die Er­folgs­quote kann überzeugend ausfallen. Die meisten Debitoren lenken vorgerichtlich ein und zahlen – solange sie können. Diese Beträge werden, sofern die An­bie­ter­wahl stimmt, in vollem Um­fang an die Auftraggeber weitergeleitet. Neben Inkas­so haben einige dieser An­bie­ter Fac­to­ring, Vorfinanzierung, sogar den Ankauf von Portfolios zahlungsgestörter Schuldner im Programm. Das alles seien Dienste, mit denen angeschlagene Unternehmen ihre Liquidität deutlich verbessern könnten.

Besonders die Finanzbranche ist krisengeschüttelt. „Die bankeninternen Ver­änderungen bleiben nicht aus“, registriert Dr. Karsten Füser, verantwortlich für Qua­lity&Risk Management im Finanzbereich bei Ernst&Young für EMEIA. „Sie strukturieren ihre Organisation und ihr Pro­dukt­portfolio um, auch um das verloren gegangene Kundenterrain wieder zurückzu erobern. „Alle mit diesem Umbruch ver­bun­denen finanziellen Risiken müssen ge­meistert werden, damit dem letzten De­sas­ter nicht ein weiteres folgt“, rüttelt Fü­ser auf. Dazu kämen bald neue Re­gulie­rungen. „Auch sie müssen von den Ban­ken risikofrei und finanzschonend bewältigt werden.“ Angesichts solch massiver Veränderungen ginge ohne ein professionelles Liquiditätsmanagement nichts: „Es ist nötig, um künftig sämtliche Geld­ge­schäfte einschließlich der Rahmen­be­din­gungen und Risiken besser zu durchleuch­ten und bei finanzieller Gefahr die Not­bremse zu ziehen“, betont er. Das Liqui­di­tätsmanagement berücksichtigt den kompletten Geld- und Anlagekreislauf. „Denn auch die Banken lagern verstärkt die IT und Geschäftsfelder aus, die nicht zu ih­rer Kernkompetenz zählen“, so Füser.

Ein kritischer Faktor für die Geld­ge­schäfte und Liquidität ist der Zuspruch der Kun­den. „Neue Strategien müssen her“, sagt Andreas Vogt, verantwortlich für den Be­reich Managed Services bei Wincor Nix­­dorf. Vonnöten sei eine moderne IT-Ar­chitektur: „Nur darüber können gezielt Bankbereiche, die nicht zur Kernkompe­tenz gehören, an Partner abgegeben werden, ohne dass die Qualität des Zu­sam­men­spiels darunter leidet“, untermauert Vogt. Win­cor Nixdorf etwa bietet auf Ab­ruf Netz­leistungen und sämtliche Trans­ak­tionen rund um den Bankbetrieb, einschließlich Online-Banking. So zeigt sich: Wer Dienst­leistungen auslagert, spart nicht nur Kos­ten. Er schafft sich Freiräume, kann sich auf seine Kernkompetenzen kon­zen­trieren und die eigene Innovationskraft stär­ken. Das Wachstumspotenzial der Bran­che ist längst nicht erschöpft.

Autor:
Hadi Stiel





Dieser Artikel kommt von visavis.de
http://www.visavis.de

Die URL für diesen Artikel ist:
http://www.visavis.de/modules.php?name=News&file=article&sid=16667