| Logistik Weltweite Warenströme |
Im Zeitalter globalisierter Märkte ist Logistik die Kunst der Steuerung aller Informations- und Güterflüsse geworden. Weltumspannende Netzwerke sind entstanden. Waren lassen sich auf der ganzen Welt per Internet verfolgen und auch umdisponieren.

Jeder von uns ist tagtäglich von funktionierender Logistik abhängig. Aber Logistik funktioniert nicht ohne Mobilität. Nicht erst seit der EU-Osterweiterung ist Deutschland das Transitland Nummer eins. Um dem drohenden Verkehrskollaps auf den Straßen entgehen zu können, müssen neben den Autobahnen auch die anderen Transportwege – Schiene, Wasser, Luft – ausgebaut und intelligent miteinander vernetzt werden. Nur so lässt sich die zu erwartende Steigerung der Transportvolumina der kommenden Jahre bewältigen. Allerdings werden die zu transportierenden Warensendungen immer kleiner, während die Transportentfernungen wachsen. Daraus ergibt sich dann eine höhere Transportleistung.
 | | Perspektive Prof. Klaus, Universität Erlangen, glaubt wegen zurückgehender Mengenvolumina nur eingeschränkt an starkes Wachstum. |
Professor Peter Klaus von der Universität Nürnberg-Erlangen beschreibt die langfristige Entwicklung so: „Natürlich wächst durch die Globalisierung und das Wachstum der On-Demand-Wirtschaft die Nachfrage nach weiträumigen, terminkritischen Logistikleistungen. Dagegen steht, dass die Mengenvolumina an Gütern, die eine stagnierende Bevölkerung bei stagnierenden Realeinkommen braucht, nicht wachsen, sondern wegen der kontinuierlichen Verlagerung des Bruttosozialproduktes in die Dienstleistungsbereiche sogar zurückgehen.“
Die Güter müssen in immer kleineren Sendungen über immer größere Entfernungen transportiert werden. Und weil das alles unter Termindruck geschehen muss, liegt es nahe, die dadurch entstehenden komplexen Supply Chains in der operativen Praxis Logistik-Spezialisten zu überlassen. Professor Klaus weiter: „Die deutschen ‘Top 100 der Logistik’ sind bunt gemischt: Ganz oben auf der Liste sind Unternehmen wie die Post- und Bahnkonzerne und Unternehmen mit Wurzeln in der ‘klassischen’ internationalen Spedition wie Kühne&Nagel und Panalpina. Es sind Unternehmen vertreten, die sehr große, flächendeckende Transportnetze entwickelt haben, wie Hapag-Lloyd für den weltweiten Container-Seeverkehr, UPS, DPD für europäische und globale Paketfracht- und Expressdienste, Dachser, die Kooperationsgruppe IDS für deutsche und europäische Industrie-Stückgüter- und Konsumgüter-Netzwerke. Demgegenüber stehen neuartige und relativ junge Unternehmenstypen, die ‘Kontraktlogistiker’, die sich auf die Übernahme outgesourcter komplexer Logistik-Leistungspakete großer Industrie- und Handelsunternehmen spezialisiert haben.“
Outsourcing von logistischen Leistungen wurde in der Vergangenheit vorwiegend unter Kostengesichtspunkten durchgeführt, wird aber in kommenden Jahren, so eine Studie der Unternehmensberater von A.T. Kearney, zunehmend kostspieliger. Eine achtprozentige Kostensteigerung bis 2008 prognostiziert die Studie „Europäische Lieferketten 2004“, vor allem hervorgerufen durch den hohen Anteil außerhalb Europas eingekaufter Waren und die von den Kunden erwartete fehlerfreie Auslieferung, die zum Teil hundertprozentige Kontrollen von Sendungen notwendig macht.
Nach einer Capgemini-Studie werden vor allem die Distributionszentren, die jetzt noch in Belgien und den Niederlanden liegen, aus der Mitte oder dem Osten Deutschlands oder dem Westen Polens heraus rationeller arbeiten können. In diesem Zusammenhang kommt vor dem Hintergrund der Maut dann der Schiene und dem Binnenschiff größere Bedeutung für die Anbindung an Seehäfen zu.
Diesem Trend folgt die Wal-Mart-Tochter Gazeley als bedeutender Entwickler von Logistik-Immobilien in Deutschland, Frankreich, Belgien, Spanien und Italien. Gazeley hat mit dem Magna Park UK ein 700.000 m2 großes Vorzeigeobjekt entwickelt. Das speziell auf die Distribution zugeschnittene Logistikzentrum befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen London und Birmingham.
 | | Anstieg Nach jehrzentelangem Rückgang werden die Logistikkosten bis zum Jahre 2008 wieder steigen, so prognostizieret es die aktuelle A.T.-Kearney-Studie über neue Trends in der Logistik. |
Bis zum Jahr 2007 soll ein Netzwerk von insgesamt 30 speziell für die Distribution konzipierten Logistikparks in ganz Europa geschaffen werden – nach dem Vorbild des erfolgreichen Magna Park UK. Mit drei Magna Parks sind die Briten bereits in Deutschland vertreten – den Magna Parks Berlin, Kassel und Rhein-Main. Das 50 ha große Areal des Magna Park Berlin ist das einzige speziell auf die Logistik zugeschnittene Distributionscenter im gesamten Berliner Raum. Zu Beginn dieses Jahres wurde zudem ein neues Logistikcenter in Erfurt eingeweiht, mit einer Fläche von 10.000 m2. Zusätzlich zu den genannten Projekten in Deutschland entwickelt Gazeley derzeit drei Standorte in Frankreich. Auch in Belgien, südlich von Brüssel bei La Louvière, gibt es einen Magna Park. Objekte in Spanien und Italien sind ebenfalls in Entwicklung. Eine Expansion nach Osteuropa ist geplant.
 | | Magna Park Im neu errichteten 50 ha großen Gazeley-Areal in Berlin sind bis zu 14 Gebäude mit insgesamt 245.000 Quadratmeter Distributionsfläche geplant. Zwei moderne Hallen sind bereits gebaut und an bekannte Logistikunternehmen vermietet. Weitere Hallen sollen in den nächsten Jahren folgen. |
Der Schlüssel zum Erfolg der Distributionszentren beruht darin, dass jedes exakt auf die speziellen Bedürfnisse großer Logistikunternehmen zugeschnitten ist. Merkmale aller Parks sind hervorragende Verkehrsanbindungen, qualitativ hochwertige Gebäude, 24-Stunden-Betrieb an sieben Tagen pro Woche, Haustechnik vor Ort sowie mit der jeweiligen Kommune abgestimmte Planungsverfahren und ein umweltverträglicher Bebauungsplan. Das Magna-Park-Konzept, das von Gazeley als „Logistik-Park der Zukunft“ vermarktet wird, ist Garant für den neuesten Stand der Technik bei der Entwicklung von Logistikimmobilien. Das Unternehmen bietet aber nicht nur die Erstellung der Gebäude praktisch jeder Größenordnung genau nach Kundenwunsch, sondern kann dank seines Konstruktionssystems „G.Track“ auch eine Fertigstellung innerhalb von nur 16 Wochen nach Vertragsabschluss garantieren.
Bei der Auswahl von Standorten in Deutschland sind für die Wal-Mart-Tochter maßgebliche Gesichtspunkte die Verkehrsanbindung an Schiene und Straße, außerdem die Nähe zu Ballungszentren, zu Industriegebieten sowie zu Produktionsstätten und Serviceeinrichtungen namhafter Unternehmen. „Grundsätzlich hält Gazeley jedoch Standorte abseits der Logistikzentren Deutschlands ebenso für vertretbar wie solche an Distributions-Knotenpunkten“, berichtet uns Daniel Trachsel, Gazeley Deutschland Immobilienentwickler.
Wer an deutsche Seehäfen denkt, assoziiert Hamburg und Bremen. Das zielt zu kurz, treten doch seit 2001 die acht niedersächsischen Seehäfen, nach außen vertreten durch die Seaports of Niedersachsen GmbH, gemeinsam als Hafengruppe mit einem Umschlag von über 60 Millionen Tonnen auf, Tendenz steigend. Die steigenden Frachtraten sind allen Seehäfen gemein. Speziell profitieren sie von der Öffnung des Wirtschaftsraums nach Osteuropa, die Autoverlader unter ihnen vom starken Automobilexport und die Containerterminals vom unaufhaltsamen Siegeszug dieser universalen Transportbehälter. Unterstützung erhalten die Seehäfen auch aus der Politik, speziell aus Brüssel, wo die EU-Kommission insbesondere die Kurzstreckenseeverkehre fördert.
Das geschieht vor dem Hintergrund der drohenden Überlastung des Straßennetzes durch Lkws und dem, gemessen an den Erfordernissen, viel zu schwerfälligen Ausbau des Güterverkehrs auf der Schiene. Die Europäische Union ist bemüht, Rahmenbedingungen zu schaffen, die einen möglichst reibungslosen, effizienten und umweltverträglichen Verkehr in Europa garantieren. Zentraler Bestandteil dieser Strategie ist der Auf- und Ausbau der transeuropäischen Verkehrsnetze. Teil dieser TEN-Projekte sind die „Motorways of the Sea“. Die Meeresautobahnen sollen dabei die wichtigsten Engpässe im Landverkehr entlasten und die logistische Integration des Kurzstreckenseeverkehrs fördern. Da ist es nur konsequent, dass die „Seaports“ und ihr Pendant, das Baltic Sea Forum, eine strategische Partnerschaft mit dem Ziel der Weiterentwicklung der „Motorways“ verabredet haben.
Modern ausgebaute Seehäfen sind dabei nicht Anfangs- oder Endpunkte, sondern Knotenpunkte im Logistiknetz, die nahtlos in der intermodalen Transportkette mitwirken. Das leisten ebenso, wenn auch regional unterschiedlich, die Binnenhäfen, die Umschlagspezialisten am Schnittpunkt der Verkehrsträger. Dabei gilt der Rhein zu Recht als die Wasserstraße Europas, und dort liegt auch mit etwa einem Drittel des Gü-terumschlags der deutschen Binnenhäfen der Schwerpunkt zwischen Emmerich und Köln. Doch das mindert nicht, sondern relativiert lediglich die Bedeutung anderer Binnenhäfen. Nicht nur an der Elbe sind Wachstumsimpulse durch die EU-Osterweiterung zu erwarten.
 | | Visionär "Logistik ist eine zentrale Managementaufgabe für jedes Unternehmen", so Dr. Hans-Peter Stabenau, Ehrenvorsitzender der BVL. |
Moderne Flughäfen sind hoch komplexe Logistikstandorte mit überdurchschnittlichen Infrastruktursystemen. So haben sich in Frankfurt Cargo-City fast 300 Logistikunternehmen niedergelassen. In Köln-Bonn und Frankfurt-Hahn sind Luftfrachtstandorte entstanden, die davon profitieren, dass es dort keine Nachtflugverbote gibt. Hier nutzen die Logistiker den Rund-um-die-Uhr-Betrieb. Dazu stellt Walter Römer, Pressesprecher des Köln Bonn Airport, fest: „Die Luftfracht ist am Köln Bonn Airport seit Jahren ein verlässlicher Wachstumsgarant. In 2004 legte sie in den Monaten Januar bis Juli um 17 Prozent zu, deutlich über dem Bundestrend von zwölf Prozent. Am Jahresende ist ein neuer Rekord zu erwarten.“
Besondere Aufmerksamkeit kommt dem bimodalen Transport über die Schiene zu. Eine stärkere Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene und von der Straße weg scheint jedoch noch unrealistisch. „Die Güterbahnen müssen sich“, so Railion-Vorstand Dr. Klaus Kremper, Stinnes AG, „aus ihrer nationalstaatlichen, hoheitlichen Vergangenheit lösen und sich europäisch ausrichten, womit sie ihren Kunden folgen und sich am Wettbewerber Lkw orientieren.“ Und weiter: „Als Referenz können wir hier unsere umfangreichen Logistik- und Just-in-Time-Verkehre für die deutsche Automobilindustrie nennen.“ Allerdings glaubt auch Kremper nicht, dass „die Maut in ihrer jetzigen Höhe zu großen Verschiebungen im Modalsplit führen“ wird. Recht hat vielmehr der Ehrenvorsitzende der Bundesvereinigung Logistik, Dr. Hans-Peter Stabenau, wenn er feststellt, „dass selbst eine Verdopplung des Schienengüterverkehrs in Europa – das ist heute durchaus eine realistische Größe – in den nächsten zehn Jahren noch nicht einmal den Zuwachs an Verkehrsaufkommen ausmacht.“
Vielmehr zeichnete sich auf der IAA Nutzfahrzeuge im September ab, dass die Branche über noch ausgefeiltere Telematik-Lösungen und die Investition in Lkw der Schadstoffklasse Euro 4 die Mautbelastungen zumindest teilweise in den Griff zu bekommen versucht. Zur Tourenoptimierung werden inzwischen Speditions-Dispositionssysteme angeboten, in denen europaweit die Dieselpreise hinterlegt sind, sodass sie dem Fahrer die günstigste Tankstrategie anzeigen können. Map&Guide bietet gar eine Dispo-Software an, womit die disponierte Route direkt auf der Website von Toll Collect eingebucht werden kann. Aber auch unvorhersehbare Tourenoptimierungen sind heute mittels moderner Telematik möglich. The European Traffic Alliance (TETA) ist eine Organisation, die europaweite Verkehrsinformationen in Echtzeit anbieten und in Navigationsgeräte einspielen will.
Mit solchen Informationen kann ein Fahrer bei Bedarf von der geplanten Route abweichen, und die Telematiksoftware übermittelt dem Disponenten selbstständig den Standort des Fahrzeugs. Wieweit diese Informationen dann wieder in komplexe Supply Chains eingebaut werden, kann man auf den beiden kommenden Logistik-Kongressen in Berlin sehen. Der 21. Deutsche Logistik-Kongress des BVL steht vom 20.-22. Oktober unter dem Motto „Innovativ denken – Konsequent handeln“, das 39. BME Symposium Einkauf und Logistik beschäftigt sich vom 15.-17. November mit „Innovation und Wachstum“.
 | | Global "Die Bahn hat sich mit der neuen Stinnes AG in puncto europäischer Bahntransporte weiterentwickelt", so Dr. Klaus Kremper, Stinnes AG. |
Und zum Abschluss noch einmal Hans-peter Stabenau: „Wenn wir von einer logistischen Dienstleistungsbranche sprechen – und das ist die entscheidende Wachstumsbranche in den nächsten Jahren – ist sie das Kennzeichen vom Wandel der Industriewirtschaft zur Dienstleistungswirtschaft, zur Informationsgesellschaft, zur Wissensgesellschaft.“ Denn die Kombination aus den verschiedensten Dienstleistungen rund um Transport und Lagerung mit einem pa-rallel laufenden Informationsfluss ohne Medienbruch einerseits und dem Wissen um die Prozesse andererseits, das ist es, was an der Logistik so fasziniert.
Autor:
Jens Kohagen
[18.10.2004, ] |
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