| Outsourcing Kostendruck macht erfinderisch |
Wer Dienstleistungen auslagert, schafft Freiräume, kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und die eigene Innovationskraft stärken.
Die Unternehmen aller Branchen versuchen mangels Absatzmarkt ihre Kosten zu drücken. Im Finanzbereich ist dieser Kostendruck, zusätzlich ausgelöst durch die Banken- und Vertrauenskrise, besonders stark. Also müssen sich die Top-Manager etwas einfallen lassen, um ihre Kosten zu reduzieren und parallel das verloren gegangene Kundenvertrauen wieder zurückzugewinnen. Insider räumen angesichts des Kostendrucks IT-Outsourcing einen wachsenden Markt ein. Der Auslagerung von Teilen der IT als Träger der Prozesse kommen flexible Belieferungsmodelle entgegen. Hinter Etiketten wie On-Demand, Cloud-Computing, SaaS (Software-as-a-Service) und Managed Services verbergen sich Dienstleistungskonzepte, die sich am Bedarf der Kunden orientieren. Sie müssen nur das an IT-Kapazitäten respektive Softwareleistungen bezahlen, was sie an ihren Standorten abgerufen haben.
Besonders auf globaler Tribüne ist der Druck groß, über gezielte Hard-/Software-Auslagerungen Kosten einzusparen. Das ruft Anbieter auf den Plan, die ihre Kunden aus der Wolke heraus mit SaaS, also Software als Dienstleistung basierend auf Internettechnologien, bedienen. Die Anbieter versprechen deutliche Kostensenkungen über solche SaaS-Suites, dazu keine Kapitalauslagen für Inhouse-Systeme im Bannkreis der drei Applikationslandschaften. Das Ganze aus Anwendersicht: Die Software-gestützten Geschäftsprozesse werden einfach in die Wolke verlagert. Dieses Belieferungsprinzip kommt in der Wirtschaftskrise, in der Unternehmen ihre Kosten kontrollieren und eigenen Mittel schonen, besonders gut an.
Für die flexible Belieferung muss vorgearbeitet werden. Das gilt für beide Seiten, im Unternehmen wie beim Dienstleister. „Wenn Server und Speicher virtualisiert werden, können ihre Kapazitäten dynamisch und kostensparend zugeordnet, zudem bedarfsgerecht verteilt werden“, erklärt Michael Ziegler, Teamleiter Virtualisierung und Sicherheit bei Materna. Er misst besonders der Virtualisierung von Clients gegenüber klassischen PCs mehr Flexibilität und durch Automatisierung hohe Einsparungen bei. Eine Studie des Fraunhofer Instituts bestätigt seine Einschätzung: Danach können Unternehmen wie Dienstleister durch Client-Virtualisierung ihre jährlichen Kosten je Arbeitsplatz von 2.400 Euro auf rund 1.700 Euro senken. Ziegler: „Eine virtuelle und damit Cloud-fähige Umsetzung senkt generell die Kosten und begünstigt eine dynamische Aufstellung gegenüber neuen Anforderungen.“ Außerdem sei eine solche Architektur offen für künftige In- oder Outsourcing-Strategien. Für die Probe aufs Kostenexempel im virtuellen Umfeld empfiehlt er, einen kompetenten Dienstleister zurate zu ziehen.
Oft wird die Entscheidung auf eine Mischkultur zwischen eigener und ausgelagerter IT hinauslaufen. Beide Teile, die in- und aushäusigen, müssen harmonieren. Denn erstens sollte die IT insgesamt wirtschaftlich zusammenspielen. Zweitens kommt es in Zeiten durchgehender Geschäftsabläufe zu Überschneidungen von Kern- mit Randprozessen. Kenner der Szene plädieren deshalb für professionelle Managed Testing Services. Denn eines sollte den Unternehmen keinesfalls passieren: dass hoch komplexe Software-Tests auf Kosten der Kernprozesse und des eigenen Geschäfts gehen. Das passiert, wenn langwierige Tests in Eigenregie zuviel an personellen Kapazitäten rauben und aufgrund unerkannter Software-Risiken zu geschäftlichen Ausfällen führen. Mit Blick auf die geteilte IT-Verantwortung hat ein Generationswechsel von aktivitätsgetriebenen hin zu ergebnisorientierten Testing-Modellen stattgefunden. Mit der neuen Test-Generation werden die Belieferungsmodelle des IT-Outsourcings gleich mit bedient. Damit im hoch komplexen IT-Umfeld nichts schief geht, beziehen die Testing-Services den gesamten Software-Lebenszyklus ein. Die eigene Organisation wird dadurch flexibler und dynamischer, die Software-Testkosten können um bis zu 30 Prozent reduziert werden.
FORDERUNGEN„In den Debitoren eines Unternehmens stecken enorme Potenziale zur Optimierung des Working-Capital, was wiederum die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens verbessert“, so Siegward Tesch.
Die Software ist Dreh- und Angelpunkt des Unternehmensgeschäfts. Das sehen Anbieter, die so genanntes Inhouse Outsourcing offerieren, genauso. Ein Beispiel: Der Anbieter setzt auf der IT-Infrastruktur im eigenen Haus mit seiner Call-Center-Software auf, um darüber stellvertretend für das Unternehmen diese Aktivitäten zu übernehmen. Neben dem kompletten Call-Center-Auftritt werden der Kundenservice und der technische Betrieb von den Externen gleich mit absolviert. Den Anbietern solcher Dienste zufolge schlagen die Kunden mit dieser Strategie vier Fliegen mit einer Klappe. Die Gefahr, dass externe Call-Center-Dienste durch die eigene komplexe IT-Infrastruktur ausgebremst werden, werde eliminiert. Die geschäftswichtigen Kundendaten blieben innerhalb des Unternehmensradius. Die Integration von IT-Infrastruktur, Software und Kundenprozessen erreiche eine höhere Ausführungsqualität. Das Ergebnis: Das Unternehmen hält stets Kontakt zu den Kunden und zum laufenden Geschäft. Dafür arbeiteten die externen Teamleiter mit Ergebnismitverantwortung mit der unternehmenseigenen Mannschaft Hand in Hand. Die Inhouse-Outsourcing-Lösung mit Fokus auf Call-Center findet zunehmend Zuspruch, bei Banken und Versicherungen ebenso wie bei Energieversorgern und Telekommunikationsanbietern.
Ob selbst finanziert oder delegiert: Investitionen und Aufwände müssen in beiden Fällen bezahlt werden. Denn auch der IT-Outsourcer legt seine Investitionen auf die Kunden um. Wäre da nicht die Wirtschaftskrise und Kreditklemme: Liquiditätssicherung, z. B. durch ein professionelles Forderungsmanagement, wird dadurch für viele Unternehmen überlebenswichtig. Forderungen gegenüber den Kunden rechtzeitig einzutreiben, ohne Skonti aufs Spiel zu setzen: dafür gibt es mittlerweile Portale. Die von Zahlungsproblemen betroffenen Unternehmen können darüber einfach und schnell ihre Inkassoaufträge erteilen. Verlangt wird von den meisten Anbietern weder eine Mitgliedschaft noch ein Jahresbeitrag. Die Kosten für die Inkasso-Maßnahmen werden stattdessen den Schuldnern in Rechnung gestellt. Die Erfolgsquote kann überzeugend ausfallen. Die meisten Debitoren lenken vorgerichtlich ein und zahlen – solange sie können. Diese Beträge werden, sofern die Anbieterwahl stimmt, in vollem Umfang an die Auftraggeber weitergeleitet. Neben Inkasso haben einige dieser Anbieter Factoring, Vorfinanzierung, sogar den Ankauf von Portfolios zahlungsgestörter Schuldner im Programm. Das alles seien Dienste, mit denen angeschlagene Unternehmen ihre Liquidität deutlich verbessern könnten.
Besonders die Finanzbranche ist krisengeschüttelt. „Die bankeninternen Veränderungen bleiben nicht aus“, registriert Dr. Karsten Füser, verantwortlich für Quality&Risk Management im Finanzbereich bei Ernst&Young für EMEIA. „Sie strukturieren ihre Organisation und ihr Produktportfolio um, auch um das verloren gegangene Kundenterrain wieder zurückzu erobern. „Alle mit diesem Umbruch verbundenen finanziellen Risiken müssen gemeistert werden, damit dem letzten Desaster nicht ein weiteres folgt“, rüttelt Füser auf. Dazu kämen bald neue Regulierungen. „Auch sie müssen von den Banken risikofrei und finanzschonend bewältigt werden.“ Angesichts solch massiver Veränderungen ginge ohne ein professionelles Liquiditätsmanagement nichts: „Es ist nötig, um künftig sämtliche Geldgeschäfte einschließlich der Rahmenbedingungen und Risiken besser zu durchleuchten und bei finanzieller Gefahr die Notbremse zu ziehen“, betont er. Das Liquiditätsmanagement berücksichtigt den kompletten Geld- und Anlagekreislauf. „Denn auch die Banken lagern verstärkt die IT und Geschäftsfelder aus, die nicht zu ihrer Kernkompetenz zählen“, so Füser.
Ein kritischer Faktor für die Geldgeschäfte und Liquidität ist der Zuspruch der Kunden. „Neue Strategien müssen her“, sagt Andreas Vogt, verantwortlich für den Bereich Managed Services bei Wincor Nixdorf. Vonnöten sei eine moderne IT-Architektur: „Nur darüber können gezielt Bankbereiche, die nicht zur Kernkompetenz gehören, an Partner abgegeben werden, ohne dass die Qualität des Zusammenspiels darunter leidet“, untermauert Vogt. Wincor Nixdorf etwa bietet auf Abruf Netzleistungen und sämtliche Transaktionen rund um den Bankbetrieb, einschließlich Online-Banking. So zeigt sich: Wer Dienstleistungen auslagert, spart nicht nur Kosten. Er schafft sich Freiräume, kann sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und die eigene Innovationskraft stärken. Das Wachstumspotenzial der Branche ist längst nicht erschöpft.
Autor:
Hadi Stiel
[13.07.2009, ] |
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