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themenzeitung

Krise als Chance?!

Ursachen und Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise und wie Unternehmen krisenresistenter werden können

Eva-Maria Eisele und Prof. Dr. Christopher Stehr
Universität Ulm, Institut für Unternehmensplanung
www.karlshochschule.de

Krise als Chance für Unternehmen

Die Exporte der führenden Industrienationen wie Deutschland, Japan, USA und China sind im vergangenen und laufenden Jahr drastisch zurück gegangen. Die Wirtschaftsleistung der weltgrößten Wirtschaftsnationen ist im ersten Quartal 2009 z.T. im zweistelligen Bereich gesunken. Der Welthandel erlebt den schwersten Einbruch seit 80 Jahren. Weltweit brechen die Aktienindices ein, weltweit sinkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, hunderttausende Arbeitsplätze werden abgebaut, Unternehmensinsolvenzen selbst von traditionsreichen Firmen sind die Folge. Was als Finanzkrise 2007 begann, hat auf die Realwirtschaft 2008 übergegriffen und sich zu der größten Weltwirtschaftskrise seit Jahrzehnten ausgewachsen.

Weltweit stehen Unternehmen im Rahmen dieser aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise vor großen existenziellen, nationalen und internationalen Herausforderungen. So ist die Zahl der amerikanischen Unternehmen, die von der Insolvenz bedroht sind, laut einer aktuellen Auflistung der Ratingagentur Moody’s im März 2009 dramatisch angestiegen. Dennoch gibt es auch in der aktuellen Situation Unternehmen in Deutschland und in der Welt, die die Krise offensichtlich unbeschadet überstanden haben oder sogar noch gestärkt aus ihr hervorgehen. Im Nachfolgenden werden die Ursachen sowie die verschiedenen Auswirkungen der aktuellen Finanzkrise dargestellt und mögliche präventive Maßnahmen sowie Handlungsansätze für Unternehmer diskutiert.

Ursachen der Finanzkrise

Die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise wird als die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnet. Manche Experten ziehen auch Vergleiche zur Weltwirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, die gedanklich mit dem Begriff "Schwarzer Freitag" (25.Oktober 1929) verknüpft wird.

Laut dem Chef der Weltbank, Robert Zoellick, wird zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg die gesamtwirtschaftliche Leistung aller Länder der Erde schrumpfen. Zudem seien die Auswirkungen der gegenwärtigen Finanzkrise global und nur mittels eines globalen Lösungsweges zu beheben, so Zoellick weiter.

Die Globalität und das gigantische Ausmaß der Finanzkrise liegen vor allem in zwei Ursachen begründet.

Finanzinstrumente und Niedrigzinspolitik - Gründe für die aktuelle Finanzkrise

Eine wichtige Ursache ist in den Finanzinstrumenten zu sehen, die es ermöglichten, Hypotheken als nicht mehr bilanzierungspflichtig einzustufen und das Risiko auf die globalen Finanzakteuere zu verteilen. Die von der Federal Reserve (FED) von 2001-2003 verfolgte Niedrigzinspolitik und die damit ausgelöste Immobilienblase spielten eine weitere zentrale Rolle bei der Ursachenforschung.

Besondere Finanzinstrumente machten es möglich, Hypotheken zu bündeln, diese durch Verbriefung in Wertpapiere umzuwandeln und diese anschließend in Teilen an andere Banken, Fonds oder Versicherer weiterzuverkaufen. Diese gebündelten Kredite werden auch Collaterized Debt Obligations (CDO) genannt. Banken haben diese Instrumente seit einigen Jahren vermehrt eingesetzt, da sie es einerseits ermöglichten die Bilanzierungspflicht von Krediten zu umgehen, was wiederum keine Eigenkapitalhinterlegung bedeutet. Andererseits versprachen diese CDOs hohe Renditen. Dadurch erzielten Banken sowohl ein höheres Kreditvolumen als auch höhere Umsätze. Des Weiteren haben sich Banken mit sogenannten Credit Default Swaps (CDS) gegen die Ausfälle dieser verbrieften Wertpapiere versichert und trugen somit keinerlei Risiko mehr hinsichtlich dieser gebündelten Kredite.

Nach dem Platzen der New Economy Blase und nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hat Alan Greenspan, der damalige Chef der FED, einer Rezession entgegengesteuert, indem er die Leitzinsen in den USA schrittweise senkte. Die Leitzinsen erreichten im Jahr 2003 ihren tiefsten Stand mit nur noch einem Prozent. Durch die niedrigen Zinsen konnten sich Banken günstiger refinanzieren. Die Folge war ein sehr starker Anstieg der Kreditvergabe in den USA. Im Zuge dieser Vergabepolitik wurden verstärkt so genannte Subprime-Kredite vergeben. Dies sind Kredite, deren Kreditnehmer eine geringe Bonität aufweisen. Zudem waren die Kreditzinsen variabel gestaltet und an den Leitzins gekoppelt. Durch diese Kreditpolitik stieg die Nachfrage nach Immobilien in den USA stark an und trieb konsequenterweise auch die Immobilienpreise nach oben. In Abbildung 1 ist der Case-Shiller U.S. National Home Price Index abgebildet. Er spiegelt die Wertsteigerungen (in %) von Einfamilienhäusern in den USA von 2004 – 2008 wider.

S&P/Case-Shiller U.S. National Home Price Index

Abbildung 1: Der Case-Shiller National Home Price Index von 2004 – 2008;
Normiert auf das Jahr 2000, Quartal 1 (Q1).
Quelle: In Anlehnung an: www2.standardandpoors.com, Zugriff: 23.2.2009

Abbildung 1 zeigt einen fast linearen Anstieg der Hauspreise von 2004 bis 2006. Diese Wertsteigerungen ermöglichten es, den Immobilienbesitzern, ihren Kreditrahmen bei Banken um die entsprechenden in der Zukunft zu erwartenden Wertsteigerungen zu erhöhen.

Ein entscheidender Auslöser der Finanzkrise war die schrittweise Leitzinserhöhung durch die FED ab dem Jahr 2003. Viele Subprime-Kreditnehmer konnten allmählich ihren gestiegenen Zinszahlungen nicht mehr nachkommen. Üblicherweise gelingt es den Banken, diese Ausfälle zu kompensieren, da die Immobilie als Sicherheit für den Kredit dient. In Abbildung 1 ist ab Quartal 2 (Q2) 2006 allerdings eine rückläufige Wertsteigerungen der Häuser zu erkennen, derzufolge der Wert der Immobilien nicht mehr der Höhe des Kredites entspricht. Durch den Ausfall von Zinszahlungen und dem Wertverlust der Häuser mussten Banken, die diese verbrieften Wertpapiere aus gebündelten Krediten gekauft hatten, Wertberichtigungen dieser Papiere vornehmen. Die Hypotheken als "underlying asset" verloren durch den Ausfall der Zinszahlungen stark an Wert.



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