
Leitbranche Umwelttechnologie
Datum: 26.06.2007, Thema: Energie & Umwelt
Dürren, Überflutungen, Wirbelstürme: Die Auswirkungen des steigenden Kohlendioxidgehalts der Atmosphäre auf Mensch und Umwelt sind verheerend. Nach Berechnungen der Meteorologen erlebt Westeuropa derzeit das wärmste Wetter seit 1300 Jahren.
Doch effektiver Klimaschutz kostet – geschätzte ein Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. „So weiter zu machen wie bisher aber mindestens das 5-Fache, wenn nicht sogar das 20-Fache“, warnt Sir Nicolas Stern, von 2000 bis 2003 Chefökonom der Weltbank.
Immerhin werden die Folgen des Klimawandels von Regierungen in den großen Industrienationen nun endlich nicht mehr in Frage gestellt. Deutschland kann als Vorreiter und Weltmarktführer im Bereich der umweltfreundlichen Energieerzeugung vom Zaudern und Zögern der Staatschefs im Ausland profitieren. Denn die Länder, die den Klimawandel einst belächelten, werden nun von einer wahren Ökowelle überrollt.
Beispiel USA: Nach dem G8-Gipfel Anfang Juni in Heiligendamm scheint der dringend erforderliche Kurswechsel der Vereinigten Staaten in Sachen Klimapolitik vollzogen. US-Präsident Bush hat die USA darauf verpflichtet, an einer bindenden Nachfolgeregelung für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll unter dem Dach der Vereinten Nationen bis zum Jahr 2009 mitzuwirken. Zuvor hatte sich schon „Terminator“ Schwarzenegger mit einem entschlossenen Umweltkurs den Wahlsieg bei der Gouverneurswahl in Kalifornien im vergangenen Jahr entgegen dem klimapolitischen Kurs der US-Regierung gesichert. Bis 2020 will Schwarzenegger den Ausstoß von Treibhausgasen um 20 Prozent reduzieren. Im Silicon Valley soll ein Mekka für Umwelttechnik mit tausenden von neuen Jobs entstehen. Zudem will er die Autohersteller dazu verpflichten, schadstoffärmere Fahrzeuge zu entwickeln. Schließlich sollen bis 2017 eine Million Dächer mit Solaranlagen bestückt werden, um eine Solarstromleistung von 3.000 Megawatt zu erzeugen.
Viel versprechend erscheint auch das Marktwachstum in Europa. In Spanien und Italien wurden in den letzten Jahren Einspeisevergütungen nach dem Vorbild des deutschen EEG installiert. In Griechenland fördert die Regierung erneuerbare Energien ebenfalls mit attraktiven Vergütungen, allerdings würden derzeit noch administrative Barrieren die Marktdurchdringung behindern, heißt es in Expertenkreisen. Viel Potenzial wird auch dem französischen Markt vorausgesagt. Laut einer aktuellen Studie vom Markt- und Meinungsforschungsunternehmen EuPD Research befindet sich der französische Solarmarkt noch in einer frühen Entwicklungsphase. Insbesondere der Photovoltaik werden große Chancen eingeräumt. Ein Grund dafür ist das im Juli 2006 vom Industrieministerium umgesetzte Einspeisedekret, welches höhere Einspeisetarife für Solarstrom garantiert. Unternehmen, die in Frankreich tätig werden wollen, müssten sich jedoch auf eine im Vergleich zu Ländern wie Deutschland abweichende Marktstruktur einstellen. Großhandels- und Installationsstrukturen befänden sich noch im Aufbau, wodurch Hersteller in Projekten selbst aktiv werden müssen. Hinzu kämen bürokratische bzw. administrative Hürden im kompliziert ausgestalteten Fördersystem, beispielsweise bei den Steuergutschriften oder das aufwendige Verfahren bei der Erteilung von Baugenehmigungen.
Schließlich werden auch die energiehungrigen Staaten Asiens, allen voran China, langfristig nicht darum vorbeikommen, auf umweltfreundliche Energien zurückzugreifen. Als Gewinner dieser Entwicklung werden Umwelttechnologieunternehmen aus Deutschland hervorgehen. Kein Wunder also, dass Bundesumweltminister Sigmar Garbriel im Vorwort des Umwelttechnologie-Atlas "GreenTech made in Germany" gar von einer neuen Leitbranche spricht.
In der kommenden Ausgabe von VISAVIS ECONOMY widmet die Redaktion dem Thema Sustainable Development die Titelreportage. Darin berichten wir über die sechs Leitmärkte für Umwelttechnologien – Umweltfreundliche Energieerzeugung, Energieeffizienz, Rohstoff- und Materialeffizienz, Kreislaufwirtschaft, Wasserwirtschaft und Nachhaltige Mobilität – und stellen ihre schon heute herausragende Bedeutung für den Standort Deutschland heraus. In einer weiteren Reportage dreht sich alles um das Thema Ökologisches Wohnen. Einzelreportagen zu Nachhaltigen Investments und Corporate Social Responsibility (CSR) runden unsere diesjährige Nachhaltigkeitsberichterstattung ab.
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Autor:
VISAVIS-Redaktion Frank Grootens
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