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themenzeitung

Versicherungen
Very British
Bei der Höhe der Rendite von Policen schlagen britische Lebensversicherer ihre europäischen Wettbewerber.

Der Fußballklassiker „Deutschland gegen England“ hat viele Geschichten geschrieben. Zwar verpassten die englischen Kicker die Teilnahme an der diesjährigen Europameisterschaft, doch bei der Champions League gehörten sie wieder einmal zu den besten Mannschaften Europas, während die deutschen Vereine eher schlecht abschnitten. Seit Anfang der 90er-Jahre findet das ewige Duell zwischen den beiden Kontrahenten auch auf dem Lebensversicherungsmarkt statt: Großbritannien geht auch hier in die Offensive.


VORTEIL
„Die rechtliche Situation erlaubt den britischen Versicherungsunternehmen eine flexiblere Anlagepolitik“, erklärt Johannes Bitter-Suermann, König & Cie.
Dass der deutsche Anleger mit britischen Lebensversicherungspolicen punkten kann, hat sich allerdings noch nicht überall herumgesprochen. „Diejenigen, die sich für eine britische Police interessieren, sind meist schon sehr gut über das Thema Geldanlage informiert und suchen Alternativen zu ihren bisherigen Anlagen“, so die Erfahrung von Christos Kantaridis, Geschäftsführer und Gründer des Competence Center-Beraternetzwerks, das sich mit britischen Policen und Investments befasst. „Die beste Marktkenntnis haben in der Regel die sogenannten ,Best Ager‘, also Menschen, die sich nicht mehr mit dem Aufbau ihrer Altersvorsorge befassen, sondern zum Beispiel eine Lebensversicherung ausbezahlt bekommen haben und jetzt über die Wiederanlage dieses Kapitals nachdenken.“ Diese Gruppe sei demnach mehr an einer Vermögensverrentung interessiert, so Kantaridis. Junge Anleger hingegen recherchierten weniger und stießen daher eher zufällig auf britische Lebensversicherungen. „Ein Geheimtipp sind die Policen aber trotzdem schon lange nicht mehr“, macht Kantaridis deutlich.


TRANSPARENZ
Dr. Mark Ortmann, Geschäftsführer ITA: „Die britischen Versicherer sind verpflichtet, die Kosten für den Kunden nachvollziehbar zu machen.“
Seit knapp 15 Jahren drängen die Briten nun mit ihren Produkten auf den deutschen Markt. Wer sich die Angebote genauer anschaut, wird merken, dass sie gegenüber deutschen Lebensversicherungen einige Vorteile bieten – zum Beispiel beim Thema Rendite: Während deutsche Lebensversicherer eine sicherheitsorientierte Anlagestrategie verfolgen, um eine hohe Garantieverzinsung zu gewährleisten, setzen britische Anbieter auf eine hohe Aktienquote, die am Ende zwei bis drei Prozent mehr Rendite bedeutet, wie Experten schätzen. „Die rechtliche Situation erlaubt den britischen Versicherungsunternehmen eine flexiblere Anlagepolitik“, erklärt Johannes Bitter-Suermann, geschäftsführender Gesellschafter vom Hamburger Emissionshaus König&Cie. Theoretisch können die Briten bis zu 100 Prozent in Aktien anlegen, denn im Gegensatz zu deutschen Lebensversicherern sind diese nicht an die in Deutschland gesetzlich vorgeschriebene Aktienobergrenze von 35 Prozent gebunden. Tatsächlich liegt die Aktienquote der Briten im Branchendurchschnitt bei 50 bis 60 Prozent, wenn sie zu ihrer Versicherung eine Garantie bieten, beziehungsweise bei rund 90 Prozent bei Policen mit Garantieoption. Deutsche Versicherer hingegen investieren bei konventionellen Produkten gerade einmal rund zehn Prozent in Aktien.

Eine britische Police mit Garantie nennt sich „With Profit“ (zu Deutsch: „überschussberechtigt“) und garantiert dem Anleger sein Nettokapital abzüglich der Risikoprämie für einen Versicherungsschutz bis zum Ende der vertraglich festgelegten Laufzeit. Eine weitere Besonderheit von „With Profit“-Policen ist das Glättungsverfahren, auch Smoothing genannt. Dabei wird das Guthaben während der gesamten Vertragslaufzeit auf einen Durchschnittswert geglättet, damit es nicht den Marktschwankungen ausgesetzt ist: In guten Börsenzeiten werden Reserven gebildet, in schlechten Börsenzeiten werden sie aufgelöst. Zudem wird jeweils am Anfang des Jahres ein Bonus festgesetzt, der dem Anleger nicht mehr genommen werden kann. Die positiven Folgen dieses Verfahrens: Anteile können niemals fallen, sondern nur steigen oder allenfalls gleich hoch bleiben. Darüber hinaus erhält der Anleger zum Ablauf des Vertrages beziehungsweise im Todesfall einen Schlussbonus, der bis zu 60 Prozent des Gesamtguthabens ausmachen kann.
Die Nachfrage nach „With Profit“-Produkten geht allerdings mittlerweile zurück. „Sie spielen auf der Insel kaum noch eine Rolle“, so Stefan Giesecke, Vorstand der Financial Partners Business AG, Vertriebsmanagement-Gesellschaft, die im Auftrag von Friends Provident International in Deutschland tätig ist. „Die aus Kundensicht eingeschränkte Entscheidung über die Anlagestrategie und die unzureichende Transparenz bei dem komplexen Glättungsverfahren sind einige Gründe für den Nachfragerückgang.“ Dafür spielen sich andere Anlageformen an die Spitze. „Fondspolicen sind die Gewinner dieser Entwicklung“, ist Giesecke überzeugt. Der größte Nutzen von Fondspolicen: Sie sind extrem flexibel sowohl in der Anspar- als auch in der Rentenphase. „Der Kunde kann Beiträge in allen denkbaren Varianten zahlen“, erklärt Giesecke.


ENORM
„Pro Jahr werden in Deutschland ca. 600 Mio. Euro in den britischen Lebensversicherungszweitmarkt investiert“, erklärt Thomas Laumont, Vorstand BVZL
Das britische Versicherungsmodell kann übrigens auch für die Rürup-Rente, die Anlage mit den hohen Steuervorteilen, genutzt werden. „Wer bei der Altersvorsorge die Chancen der Wertpapiermärkte für sich nutzen möchte, ist mit einer Versicherung nach angelsächsischem Prinzip gut aufgehoben“, betont Günther Soboll, der Hauptbevollmächtigte der Canada Life Europe. „Moderne Tarife können mittlerweile ganz unterschiedliche Risikotypen und Anlagewünsche der Kunden berücksichtigen.“ Das Gleiche gilt für die betriebliche Altersvorsorge: Die Briten bieten auch hier mittlerweile eine breite Palette, von der Direktversicherung für Arbeitnehmer bis hin zu individuellen Lösungen für Führungskräfte. Wer sich für eine britische Versicherung entscheidet, sollte – genau wie bei deutschen Versicherungsgesellschaften – auf die Qualität des Anbieters achten. Ralf Wechsler, Marketing Director Clerical Medical und Heidelberger Leben, rät Anlegern, „bei der Wahl des Versicherers insbesondere auf ein Unternehmen mit hervorragenden Finanzstärke-Ratings zu setzen. Zusätzlich sollte die Gesellschaft den Insolvenzschutz der britischen Financial Services Compensation Scheme (FSCS) gewähren“. Mit diesem Einlagensicherungsfonds sind Anleger gegen den Konkurs ihres Versicherers gefeit – sofern ihre Versicherungspolice in Großbritannien ausgestellt wurde. Außerdem unterliegen die britischen Versicherer der strengen Aufsicht der Financial Services Authority (FSA), die prüft, ob die Gesellschaften genügend Kapitalreserven haben, um die zugesagten Leistungen zu erfüllen.


WISSEN
„Wer sich für eine britische Versicherungspolice interessiert, kennt sich in Geldanlagen aus“, sagt Christos Kantaridis, Competence Center-Beraternetzwerk.
Ein weiterer Vorteil für den Anleger: Die britischen Versicherer sind verpflichtet, die Kosten für den Kunden nachvollziehbar zu machen – eine Pflicht, der die deutschen Anbieter erst seit der diesjährigen Reform des Versicherungsvertragsgesetzes nachkommen müssen. „In dieser Hinsicht waren die Briten wesentlich weiter als wir“, erklärt Dr. Mark Ortmann, Geschäftsführer des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA). „In ihren Policen sind die direkten Abschlusskosten, meist in Prozent, seit Langem aufgeführt. Das, was der Vermittler bekommt, wird in absolutem Pfund-Betrag ausgewiesen.“ Darüber hinaus veröffentlichen britische Versicherer die Reduction of Yield, eine Kennziffer, die Auskunft gibt, wie viel Prozent der Rendite für den Versicherungsmantel verwendet werden und wie viel für die reine Kapitalanlage. „Sie vergleicht die Bruttorendite ohne Kosten mit der Nettobeitragsrendite des Vertrags unter Beachtung aller Kosten“, erläutert der ITA-Chef.
Neben dem Neuabschluss von britischen Versicherungen bietet der englische Markt noch eine weitere interessante Variante: den Handel mit gebrauchten Versicherungspolicen. Das Geschäft mit den Second-Hand-Verträgen hat auf der Insel eine lange Tradition: Die erste Police wurde bereits 1844 über das Auktionshaus Foster& Cranfield versteigert, das übrigens heute noch am Markt ist. Inzwischen hat diese Form der Geldanlage auch hierzulande Freunde gefunden. „In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland jeweils rund 600 Millionen Euro in den britischen Lebensversicherungszweitmarkt investiert“, schätzt Thomas Laumont, Vorstand des Bundesverbands Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen (BVZL). Der BVZL hat 40 Mitglieder, zu zwei Dritteln Deutsche, der Rest stammt aus Großbritannien und den USA.

Das Prinzip ist einfach: Statt eine Lebensversicherung zu kündigen, wie es in Deutschland noch immer die Regel ist, verkaufen die meisten Briten ihren Vertrag und erhalten dadurch weit mehr als die mageren Rückkaufswerte der Versicherungsgesellschaften. Auch in Deutschland ist solch ein Verkauf seit 1999 möglich, aber nur wenige Anleger haben bisher von diesem Zweitmarkt, der vor allem über die Firma Cash. Life abgewickelt wird, gehört. In England hingegen gehört er zum Alltag: Sogenannte Market-Maker prüfen, ob ein Dritter Rechte an der angebotenen Police hat. Ist dies nicht der Fall, werden der Kaufpreis und die voraussichtliche Ablaufleistung ermittelt. Je nach Versicherer zahlt der Käufer die restlichen Prämien jährlich oder einmalig und erhält bei Fälligkeit des Vertrags die Leistungen ausbezahlt.
„Neben dem Direkterwerb einer Police kann man sich auch an einem Policen-Fonds beteiligen“, erklärt Thomas Laumont vom BVZL. „Dabei ist die Risikostreuung größer.“ Mit einem Fonds sei man auf jeden Fall besser gegen mögliche Ertragsschwächen einzelner Versicherungsunternehmen abgesichert. Wichtig sei auch hier – ebenso wie beim Erstversicherungsmarkt – auf die Finanzstärke des Anbieters zu achten.

Besonders interessant werden die gebrauchten Versicherungen – auch Teps (Threaded Endowment Policies) genannt – durch die Ausschüttung von verwaisten Vermögenswerten. Dieses Kapital ist vor allem während des Zweiten Weltkrieges entstanden, als viele Versicherte samt ihrer Angehörigen starben und daher die Gesellschaften die Leistungen nicht ausbezahlten. Diese Vermögenswerte werden nun als Sonderbonifikationen ausgeschüttet und lassen die Renditen von Teps glänzen. Wer sich für solch eine Anlage interessiert, sollte allerdings beachten, dass die Verträge auf Britische Pfund laufen. Je nach Währungskurs, der bei Ablauf der Police gültig ist, kann es im Zuge des Umtauschs in Euro zu Verlusten kommen. Zudem müssen die Erträge am Ende der Laufzeit voll versteuert werden. Trotzdem rechnet Thomas Laumont in den kommenden Jahren mit einem gleichbleibenden oder steigenden Interesse an Teps: „Aufgrund der derzeitigen Kreditkrise und der Unsicherheit an den Kapitalmärkten bietet der Lebensversicherungszweitmarkt eine sichere Variante mit guten Renditemöglichkeiten.“ Wer auf dem englischen Markt mitspielen will, hat mit ein wenig Sachverstand also gute Chancen auf einen Volltreffer.

Autor:
Sabine Olschner

Weitere Informationen unter:
www.britischepolicen.de
www.ifa-ulm.de
www.bvzl.de
www.ita-online.info
www.ifa-ulm.de
www.bvzl.de
www.ita-online.info [07.07.2008, ]


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