| Telekommunikation Die Könige der Datenautobahnen |
Einfach wählen, surfen, simsen, mimsen, mimsen, hören oder sprechen - nach Bottrop, China oder einfach nach nebenan. Einfach? Wer sorgt eigentlich dafür, dass wir jederzeit um den Globus kommunizieren können? Was passiert bei einem Stromausfall? Wie leistungsfähig ist das Netz? Und werden neue Technologien wie die Internettelefonie unsere Kommunikation verändern? Fragen, die uns die Experten der Netze beantworten.
Wie bei der NASA sieht es hier aus. Eine dicke Glaswand gibt die Sicht aus dem Konferenzraum nach unten in den großen Saal frei. Auf der riesigen LED-Wand, die am Kopfende des Saals aufragt, verfolgen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des T-Com Net Management Centers in Bamberg im Schichtbetrieb rund um die Uhr den Telefonverkehr. Dichte Datenaufkommen, defekte Leitungen, Massenanrufe, wie sie Fernsehshows auslösen können - nichts von dem, was in den verschiedenen Festnetzen und Mobilfunknetzen geschieht, entgeht ihnen. Im Bruchteil von Sekunden werden Telefonate umdirigiert, Leitungen entlastet und zu einer defekten Stelle im Kabel wird von hier auch ein Montageteam rausgeschickt, das so schnell wie möglich alles in Ordnung bringt.
Nahezu 100 Prozent Netzverfügbarkeit erzielt T-Com auf diese Weise, und so klappt beispielsweise Amelies telefonische Wochenendplanung mit ihrem zurzeit in Köln lebenden Freund auch bei Kerzenlicht einwandfrei, obwohl bei ihr im Unwetter der Strom ausgefallen ist. Wie das? Ihr Telefon ist auch auf einem Stromausfall ausgelegt, und die Vermittlungsstelle, an die es angeschlossen ist, wird bei einem Stromausfall sofort durch Netzersatzanlagen von T-Com gespeist. "Wir haben viele Redundanzen aufgebaut. Das heißt, wir halten alle notwendigen technischen Geräte und Leitungen doppelt vor. Eins-zu-eins-Schutz nennen wir das. Selbst ein bei Bauarbeiten beschädigtes Glasfaserkabel können wir deshalb reparieren, ohne dass die Kundinnen und Kunden etwas merken", erklärt Michael Prengel, Leiter des Teams Montage und Betrieb der technischen Infrastruktur, Niederlassung Nordost.
Tag für Tag brausen in Sekundenschnelle Datenmengen vom Ausmaß des Gesamtbestandes ganzer Staatsbibliotheken durch eines der modernsten optischen Übertragungsnetze weltweit. Bis 1997 modernisierte die Telekom das deutsche Datennetz, sorgte in den neuen Bundesländern mit ihrem Glasfasernetz für einen technologischen Quantensprung und schuf insgesamt eine Infrastruktur von beeindruckendem Ausmaß: Durch 1,5 Millionen Kilometer Glasfaserkabel sausen heute unsere Telefonate, Chats, Downloads, Uploads - in Form von Bits und Bytes - über eine Strecke, die viermal länger ist als die Entfernung der Erde zum Mond. Selbst unsere per Handy abgeschickten oder empfangenen SMS und MMS legen einen Hauptteil ihres Weges über das Glasfasernetz zurück. "Gefunkt" wird nämlich nur zwischen dem Mobilfunkgerät des Teilnehmers und dem Mobilfunkmast, der selbst wiederum an das Übertragungsnetz angeschlossen ist.
"Das Telefonnetz ist bereits seit 1997 vollständig digitalisiert, das heißt, die Vermittlungsknoten im Netz arbeiten voll computerisiert", erklärt Michael Trinkwalter von T-Com Net Management Center in Bamberg. Der Ingenieur für Informationstechnik hat die Netzmanagementfunktionen der neuen Infrastruktur mitgestaltet, deren Einführung von Bamberg aus koordiniert wurde. "Dafür, dass unsere in Datenpakete zerlegten Informationen in größtmöglicher Geschwindigkeit vollständig und klar, sprich synchronisiert, am Zielort ankommen, sorgt das Netz mit seiner Software weitgehend selbst. Die Fachleute sprechen deshalb vom SDH-Netz. Das Kürzel SDH steht für Synchrone Digitale Hierarchie."
Telefonieren, Mailen, Surfen, Simsen (das Versenden von Textnachrichten, SMS, per Handy), Mimsen (das Versenden von Bildnachrichten, MMS, per Handy) - nichts davon wäre ohne das moderne Leitungsnetz möglich. Allein in den vergangenen beiden Jahren hat sich das Volumen des Internetverkehrs im T-Com-Netz verzehnfacht und erreicht heute eine Größenordnung von rund 57.000 Terabyte pro Monat. Nur um sich das annähernd vorstellen zu können: Nicht weniger als 11,6 Millionen DVDs bräuchte man, um diese Datenmenge zu speichern.
Für die Internetkommunikation im Breitbandtempo wird der Kunde direkt mit dem Netz für den Transport des Internet-Verkehrs verbunden. Die Übertragungswege des IP-Backbone (Internetprotokoll-Rückgrat) genannten Netzes bieten Bandbreiten von bis zu zehn Gigabytes pro Sekunde. Über 100 Internet-Service-Provider bieten ihren Kunden über diese Plattform ihre Dienste an, darunter auch T-Online. Zugleich dient sie als technische Basis für die Intranets von über 600 großen Unternehmen. Das IP-Backbone wird in Ulm und Stuttgart gesteuert, den größten Teil des Telefonnetzes steuert Bamberg. "Wir regeln den Telefonverkehr in Deutschland. Das ist vergleichbar mit einem Verkehrsleitsystem auf Bundesstraßenebene, an den Autobahnzubringern und auf den Autobahnen." So müsse man sich das vorstellen, sagt Jürgen Kah aus dem Leitungsstab des Net Management Centers in Bamberg.
Dann erklärt er das "Next Generation Network", den nächsten Strukturwandel im Telefonnetz. Die neue Technologiegeneration wird aus dem klassischen Telefonnetz und dem heutigen Breitbandnetz ein einziges machen. Der Experte spricht vom "IP-basierten sprach- und datenintegrierenden Zielnetz". Schon heute können wir per Voice-over-IP (VoIP) über das Internet telefonieren. Entsprechende Services bietet etwa T-Online an. Unsere am Telefon in Echtzeit gesprochenen Sätze werden für den Transport nach Bottrop oder China in Pakete aus Nullen und Einsen zerlegt. Wie bei einem Film oder einem Musikstück zum Herunterladen sausen diese Datenpakete dann im Internet beinahe in Lichtgeschwindigkeit auf den jeweils schnellsten Wegen zum Zielort.
Im Next-Generation-Network werden alle Telefonanschlüsse eine IP-Adresse haben, genau wie die ans Internet angeschlossenen Computer heute. "Dann können wir uns ganz selbstverständlich und hochaufgelöst in feinster Qualität beim Telefonieren sehen. Wir können uns gegenseitig Fotos und Filme zeigen, miteinander Musik hören oder eine komplette Präsentation per Telefonkonferenz abwickeln, ohne dass ihre Qualität der eines Vor-Ort-Termins nachstünde", blickt Jürgen Kah in die Zukunft. Ob er mit einer neuen technischen Revolution rechnet wie bei der Verbreitung des Internets am Ende des vergangenen Jahrhunderts? "Auszuschließen ist das jedenfalls nicht", anwortet er mit einem Augenzwinkern, "sicher wissen wir jedenfalls, dass das Next Generation Network viele neue und deutlich verbesserte Anwendungen ermöglicht."
Weitere Informationen unter:
www.telekom.de
[19.09.2005, ] |
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